Ein Ägypten-Trip ohne Abstecher zu den Pyramiden? Eine Rundreise durch die westlichen USA, ohne in Las Vegas sein Glück zu versuchen? Wer als Urlauber wirklich alle wichtigen Sehenswürdigkeiten eines Landes kennen lernen möchte, wird auf solche Zwischenstopps nicht verzichten wollen. Weil der Reiseveranstalter bei einer China-Rundreise kurzfristig berühmte Etappenziele strich, trat ein Paar nun sogar von seinem Vertrag zurück. Mit seinen Entschädigungsansprüchen zogen die beiden bis vor den Bundesgerichthof (BGH) und bekam Recht (Aktenzeichen: X ZR 44/17).

Paar klagt auf Reisekostenerstattung

Das Paar wollte im Sommer 2015 zu einer China-Rundreise starten. Doch eine Woche, bevor die beiden in den Flieger steigen sollten, teilte ihnen der Veranstalter mit, dass die Verbotene Stadt und der Platz des Himmlischen Friedens im Rahmen des dreitägigen Peking-Aufenthalts aus dem Besichtigungsprogramm gestrichen worden seien. Grund: eine Militärparade. Daraufhin trat das verärgerte Paar seine Reise erst gar nicht an und klagte auf Reisekostenerstattung von knapp 3.300 Euro.

Die Klage ging durch alle Instanzen bis zum Bundesgerichtshof – immer zugunsten der verhinderten Urlauber. Auch die Karlsruher Richter vertraten die Einschätzung, dass die Streichung solch weltberühmter Sehenswürdigkeiten als ein erheblicher Mangel einzustufen sei; deshalb sei der kostenfreie Reiserücktritt zulässig. Der Veranstalter musste dem Paar die einbehaltene Stornogebühr von 90 Prozent des Reisepreises zurückzahlen. Der Besuch der Verbotenen Stadt und des Platzes des Himmlischen Friedens sei im Kontext einer China-Reise als „eine wesentliche Reiseleistung“ zu sehen, argumentierten die BGH-Richter. Die Streichung komme daher einer gravierenden, für den Kunden nicht hinnehmbaren Änderung des Programms gleich – vergleichbar beispielsweise mit einer mehr als fünfprozentigen Erhöhung des Reisepreises.

Der Anwalt des Veranstalters hatte dem entgegengebracht, dass die beiden beanstandeten Streichungen zeitlich nur einen kleinen Teil der Rundreise ausgemacht hätten – zwei bis drei Stunden. Dies sei im Rahmen einer 14-tägigen Tour als nicht erheblich einzustufen. Doch dem mochten die Karlsruher Richter nicht folgen. Der Charakter der Reise sei wesentlich verändert worden, und die Umstände der Streichung seien schon bei Vertragsabschluss absehbar gewesen.

Mögliche Änderung der Reiseleistung soll im Vertrag benannt werden

Nach Ansicht von Reisefachleuten wird dieses Urteil vertragliche Folgen für Veranstalter haben. Denn sie müssen nun mögliche Änderungen der Reiseleistungen in einem Vertrag schon sehr deutlich benennen, um dem Kunden die Gelegenheit zu geben abzuwägen, ob die Reise unter diesen Umständen für ihn in Frage kommt.

Wenn auch Sie einen Konflikt mit einem Reiseveranstalter austragen, er wichtige Programmpunkte Ihrer Urlaubsreise streicht oder Sie allgemeine Fragen zu diesem Thema haben, helfen wir Ihnen gerne mit einer kostenlosen juristischen Erstberatung weiter. Bei Bedarf vermitteln wir Ihnen auch einen Rechtsanwalt.

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